2000
Donnerstag 13. Januar, 20.00 h
Prof. Dr. phil. et theol. Matthias
Lutz-Bachmann
(Frankfurt am Main)
Marx über Hegel
Nachholung des im November ausgefallenen Vortrags
Donnerstag 20. Januar, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Gerhard Gamm
(Darmstadt)
Hegel über Kant
Nachholung des im Oktober ausgefallenen Vortrags
Donnerstag 27. Januar, 20.00 h
Dr. phil. Peter Niesen
(Frankfurt am Main)
Kantischer Republikanismus
In jüngerer Zeit erlebt in der politischen Philosophie die zivilrepublikanische Tradition eine neue Konjunktur, wonach die politische Praxis der Staatsbürger auf moralischen Einstellungen basieren müsse. In seiner Schrift "Zum ewigen Frieden" vertritt Immanuel Kant eine entgegengesetzte These, wonach ein Volk von verstandesbegabten Teufeln - wir würden heute sagen: von strategischen Nutzenmaximierern - in der Lage sei, einen republikanischen Verfassungsstaat zu bilden und zu erhalten.
Donnerstag,
03. Februar, 20.00 h
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler
(Frankfurt am Main)
Über den Unterschied zwischen Poesie und Philosophie
Auch wenn die Dichter nicht lügen, so wird doch die Dichtung von Platon in die Nähe des Nichtwissens gerückt. Es wurde immer wieder versucht, diesen tiefen platonischen Graben zwischen Philosophie und Poesie zuzuschütten. Besonders in der deutschen Frühromantik sollte er eingeebnet werden. Aber erheben Poesie und Philosophie nicht nach wie vor völlig unterschiedliche Geltungsansprüche?
Donnerstag, 10. Februar, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Anton Leist
(Zürich)
Was könnten persönliche Beziehungen sein?
Wir denken häufig, daß persönliche Beziehungen nur auf bestimmten Gefühlen beruhen. Das ist ein Irrtum, weil die Gefühle selbst von Urteilen abhängen, die nicht aus ihnen stammen können. Die persönlichen Beziehungen müssen dann anders zu persönlichen werden, nämlich indem sie einen bestimmten Wert verkörpern. Aber was könnte persönlicher Wert sein? Es zeigt sich, daß persönliche Beziehungen sowohl allgemein wie partikular sein müssten, was unmöglich ist. Persönliche Beziehungen sind also eine Illusion, wenn nicht ..."
Donnerstag, 17. Februar, 20.00 h
Dr. phil. Thomas Schramme
(Mannheim)
Zum Begriff der psychischen Krankheit
Von einigen Vertretern der sogenannten Antipsychiatrie wird bestritten, daß sich der Begriff der psychischen Krankheit sinnvoll verwenden läßt. Nach ihrer Auffassung gibt es gar keine psychische Krankheit. Außerdem wird häufig behauptet, gesellschaftliche Wertvorstellungen legten fest, was als solche gilt. Es fragt sich daher: Kann man den Begriff sinnvoll verwenden? Sind Kriterien für psychische Krankheit wertfrei und damit objektiv zu bestimmen, oder fließen notwendigerweise Werturteile ein?
----------> Freitag 18.
Februar, 19.00 h
"Streitfall - Autoren in der Kontroverse"
Diskussion im Literaturhaus Frankfurt,
gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk
und dem Literaturhaus
Es diskutieren über die neuen Bücher von Peter Glotz, Reinhard Blomert, Ludger Lütkehaus: Franziska Augstein, Micha Brumlik, Martin Lüdke mit Peter Glotz als Gast.
Moderation: Peter Kemper
Donnerstag, 24. Februar, 20.00 h
Dr. phil. Frank Siebelt
(Frankfurt am Main)
Mögliche Welten - Realität oder Fiktion?
Was sollen wir darunter verstehen, wenn Philosophen behaupten, es gebe keine mögliche Welt, in der Dreiecke vier Seiten haben? Heißt dies, daß unter allen möglichen Welten, die es gibt, keine dabei ist, in der vierseitige Dreiecke vorkommen? Solche verwirrenden Fragen tun sich auf, wenn wir Analysen zeitgenössischer Philosophen zu den Modalbegriffen der Möglichkeit und der Notwendigkeit näher betrachten. Notwendige Wahrheit, so heißt es, sei Wahrheit in allen möglichen Welten. Aber wie real sind diese Gegenstände, die "Welten" genannt werden?
Philosophie als Experiment -
das philosophische Gespräch
im Forum
Eingeladen sind alle philosophisch Interessierten mit Lust zum Reden und Zuhören. Die Idee ist, daß jede Person, die einen Vortrag halten möchte, ihr Thema den anwesenden Zuhörer(inne)n kurz vorstellt, die danach darüber abstimmen, welchen Vortrag sie hören und diskutieren möchten.
Donnerstag, 09. März, 20.00 h
Dr. phil. Käthe Trettin
(Frankfurt am Main)
Zeitprobleme
Ist die Zeit eine Aufeinanderfolge von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit? Oder ist Zeit durch die Beziehungen "früher als", "gleichzeitig mit", "später als" zu analysieren? Seit der englische Philosoph McTaggart 1908 diese beiden Möglichkeiten der Zeitanalyse argumentativ durchgespielt hat und zu dem Ergebnis kam, daß die Zeit nicht wirklich sei, hat sich die moderne Zeitontologie daran kritisch orientiert.
Donnerstag, 16. März, 20.00 h
Dr. phil. Louise Röska-Hardy
(Jugenheim)
Was heißt "Selbstwissen"?
Wenn jemand z.B. sagt, sie/er sei verärgert, unterstellen die Zuhörer, daß die Person weiß, was sie empfindet. Ähnliches gilt für alle aufrichtigen Auskünfte über die eigenen Gefühle, Gedanken und Absichten in der ersten Person Singular Präsens. Es handelt sich hier um eine besondere Art von Wissen. Denn dieses Wissen gründet in der Regel weder auf Beobachtungen des eigenen Verhaltens noch auf Schlußfolgerungen daraus. Die Zuhörer unterstellen, daß man sich in einer privilegierten Position befindet, um eine wahrheitsfähige Auskunft über die eigenen Gefühle und Gedanken zu geben.
Donnerstag, 23. März, 20.00 h
Dr. phil. Matthias Kettner
(Essen)
Was ist Kulturrelativismus?
Was in moralischem Sinne richtig, was falsch ist, darüber urteilen nicht alle Menschen gleichsinnig, sondern oft nur die Mitglieder von jeweils bestimmten ("lokalen") Moralgemeinschaften, von denen es immer viele gab und geben wird. Befunde, die diese Unterschiedlichkeit unterstreichen, werden heute gerne durch Theorien kultureller Relativität erklärt. Aus Kulturrelativität wird Kulturrelativismus, wo man überdies fordert - wie im "ethischen Kulturrelativismus" - solche Unterschiedlichkeit positiv anzuerkennen oder zumindest zu tolerieren, etwa als die Andersheit der Anderen.
Donnerstag, 30. März, 20.00 h
Dr. phil. Volker Erbes
(Frankfurt am Main)
Können Bilder sprechen?
Aus der Sicht eines Schriftstellers wird die Bildhaftigkeit von Wörtern und die Wortmächtigkeit von Bildern erörtert. Bringt die metaphorische Struktur unserer Rede Bilder notwendig zum Sprechen? Können wir die Welt ohne Bilder verstehen? Unser Bedürfnis, so die These, uns ein Bild von der Welt zu machen, ist Teil unserer poetischen Natur.
Donnerstag,
06. April, 20.00 h
Privatdozent Dr. phil. Achim
Stephan
(Ulm)
Klassiker der Philosophie des Geistes
Das Verhältnis von Leib und Seele, Körper und Geist wird seit der Antike kontrovers diskutiert. Während Platon im "Phaidon" eindeutig eine substanz-dualistische Position konzipiert und Lukrez in seinem großen Lehrgedicht "De rerum natura" ebenso eindeutig eine materialistische Theorie präsentiert, ist die von Aristoteles in "De Anima" vertretene Ansicht nicht so einfach in unsere gängigen Kategorien einzuordnen. Eindeutig wird es wieder bei Descartes, dem Stammvater des modernen Substanz- Dualismus.
------------> Freitag 14. April , 20.00 h
Prof. Dr. phil. Georg Meggle
(Leipzig)
Das Leben - eine Reise
Wie man sich denken kann, geht es hier um die Beantwortung folgender Fragen: Was ist der Sinn des Lebens? Hat das Leben überhaupt einen Sinn? Und wenn es einen hat, wie findet man ihn? Was unterscheidet ein sinnloses Leben von einem sinnvollen? Gibt es überhaupt etwas, wofür es sich zu leben lohnt?
Donnerstag 27. April, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Thomas Bernhard
Seiler
(Darmstadt)
Begriffe aus Sicht der Diskurs-Psychologie
Gemäß der Diskurspsychologie haben Begriffe keinen kognitiven, sondern nur funktionalen Status. Sie gründen nicht auf Wahrnehmung und Erfahrung, sondern entstehen in der sprachlichen Interaktion. Begriffe existieren nur im Diskurs, und ihr Inhalt ist ausschließlich durch die pragmatischen Bedingungen der aktuellen Diskurssituation bestimmt. Verweise auf Erfahrung und Wirklichkeit üben nur eine rhetorische Funktion aus.
Prof. Dr. phil. Arend Kulenkampff
(Frankfurt am Main)
Über den Begriff des Motivs
Wir erklären Handlungen aus Motiven. Jemand hat etwas Bestimmtes getan. Warum? Weil er geglaubt hat, nur so ans Ziel seiner Wünsche gelangen zu können. Ein Motiv setzt sich in folgendem Sinne aus einer volitiven und einer kognitiven Komponente zusammen: "Wünsche ohne Überzeugungen sind blind; Überzeugungen ohne Wünsche sind inaktiv." Diese Theorie ist zwar plausibel, aber unvereinbar mit einer Reihe anderer, nicht minder einleuchtender philosophischer Auffassungen.
Donnerstag 11. Mai, 20.00 h
Prof. Dr. jur. Klaus Günther
(Frankfurt am Main)
Euthanasie aus rechtlicher Sicht
Technische Fortschritte in der Medizin haben dazu geführt, daß der Vorgang des Sterbens eines Menschen zunehmend durch technische Eingriffe hinausgezögert werden kann. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto dringender stellt sich die Frage, ob dadurch ein menschenwürdiges Sterben nicht verhindert wird. In dem Augenblick jedoch, wo Ärzte die vorhandenen Möglichkeiten der Lebensverlängerung nicht ausschöpfen, drohen sie mit dem Recht in Konflikt zu geraten, insbesondere mit dem Strafrecht.
Donnerstag 18. Mai, 20.00 h
Dr. phil. Thomas Schmidt
(Frankfurt am Main)
Habermas und Luhmann über Religion
Keine anderen Sozialtheoretiker
haben in den vergangenen Jahrzehnten die Auseinandersetzung um das Selbstverständnis
der modernen Gesellschaft so stark geprägt wie Jürgen Habermas
und Niklas Luhmann. Bei beiden spielt der Begriff der Religion eine wichtige
Rolle. Wenn es nämlich um die Frage geht, wie die Entwicklung der
modernen Gesellschaft philosophisch und soziologisch angemessen zu deuten
ist, dann wird die Frage nach dem Bedeutungs- und Funktionswandel der Religion
zu einem herausragenden Test für den Erklärungswert sowohl der
Systemtheorie Luhmanns als auch von Habermas' Theorie des kommunikativen
Handelns.
Donnerstag 25. Mai, 20.00 h
Dr. phil. Hans Zitko
(Frankfurt am Main)
Spuren der Religion in den Begriffen der Ästhetik
Die historische Entwicklung der modernen Kunst erscheint im Spiegel einschlägiger Theorien vielfach als ein Prozeß, in dem sich die Kunst von Religion und Theologie abkoppelt. Dennoch läßt ein Blick auf die Begriffe der Ästhetik (wie etwa den des Genies) den Verdacht aufsteigen, daß sich in ihnen religiöse und theologische Motive fortsetzen. Anhand von ausgewählten Beispielen soll diesem Zusammenhang nachgegangen werden.
Prof. Dr. phil. Ansgar Beckermann
(Bielefeld)
Bewußtsein - mehr als Materie?
Angenommen, neben mir entsteht - sozusagen aus dem Nichts - ein physikalisch-chemischer Doppelgänger von mir - ein Wesen, das aus denselben Molekülen in derselben räumlichen Anordnung besteht. Welche Eigenschaften und insbesondere welche mentalen Eigenschaften hätte dieses Wesen mit mir gemeinsam und warum? Offenbar hätte es dasselbe Gewicht wie ich, es würde auch atmen wie ich und verdauen wie ich. Auf der anderen Seite hätte es aber sicher nicht denselben Namen wie ich. Und wie steht es z.B. mit Schmerzen? Würde mein Doppelgänger immer dann Schmerzen empfinden, wenn ich Schmerzen empfinde? Hier haben manche Philosophen Zweifel; sie halten es zumindest für möglich, daß mein Doppelgänger keine Schmerzen empfindet. Welche Gründe könnten für diese Auffassung sprechen und welche dagegen?
Donnerstag, 15. Juni, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Ingeborg Maus
(Frankfurt am Main)
Freiheitsrechte und Volkssouveränität
Der Vortrag wendet sich gegen den aktuellen Verdacht, daß Volkssouveränität eine Gefährdung der Menschenrechte bedeute und macht dagegen die wechselseitige Optimierung beider Prinzipien geltend, die der Demokratietheorie der Aufklärung zugrunde lag. Die gegenwärtige Isolierung von Menschenrechten gegen die demokratische Autonomie der Subjekte dieser Rechte wird als eine Menschenrechtspolitik kritisiert, die Menschenrechte nicht mehr als Abwehrnormen gegen staatliche Macht versteht, sondern umgekehrt als deren Ermächtigungsnormen mißbraucht.
Freitag-Samstag
30. Juni - 1. Juli
Wochenendseminar im Forum für Philosophie
Thema: Das Buch von Thomas Nagel
"Was bedeutet das alles?
Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie"
Stuttgart 1990, Reclam Nr. 8637
Zeit: Freitag 20 - 21, Samstag 10
- 13 und 15 - 18 Uhr.
Ort: Forum für Philosophie
Seminargebühr: 150.- DM,
telefonische Anmeldung spätestens bis 16. Juni
Donnerstag 06. Juli, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Hauke Brunkhorst
(Flensburg)
Globalisierungsparadoxien -
Solidarität in der Weltgesellschaft
Solidarität ist eine "knappe
Resource" (Habermas). Ihre Geschichte reicht von der antiken Bürgerfreundschaft
über die christliche Nächstenliebe bis zur abstrakten Solidarität
moderner Rechtsgenossenschaften. Die moderne Demokratie verdankt sich einer
Verallgemeinerung von Solidarität in Reaktion auf Probleme, die die
funktionsteilige kapitalistische Gesellschaft Europas von sich aus nicht
lösen konnte. Der Erfolg der modernen Demokratie war jedoch auf den
Nationalstaat der nordatlantischen Region beschränkt. Heute kehren
die alten Probleme der europäischen Neuzeit im Weltmaßstab zurück:
das Problem individualistischer Atomisierung und das Problem des Ausschlusses
der Mehrheit der Weltbevölkerung von den Leistungen der Weltgesellschaft.
Hat die Demokratie da noch eine Chance und ist sie immer noch die Formel
für die Lösung der neuen alten Probleme des modernen Kapitalismus?
Donnerstag, 07. September, 20.00 h
Prof. Dr. phil Elke Brendel
(Mainz)
Wissen und Rechtfertigung
"Was ist Wissen?" und "Wann sind Meinungen gerechtfertigt?" - so lauten zwei traditionelle Fragen der Erkenntnistheorie. Zunächst werden die wichtigsten Theorien des Wissens und der Rechtfertigung dargestellt und kritisch analysiert. Dann wird eine eigene erkenntnistheoretische Position entwickelt, die im Gegensatz zu den traditionellen Theorien steht und in der Wissen als kontextabhängiger sozialer Begriff verstanden wird.
Donnerstag, 14. September, 20.00 h
Priv.doz. Dr. phil. Hans-Dieter Mutschler
(Frankfurt am Main)
Läßt sich Leben auf dem Computer simulieren?
Seit 25 Jahren versucht man, von den USA ausgehend, Evolutionsprozesse auf dem Computer mit Hilfe von sogenannten "Genetischen Algorithmen" zu simulieren. Man definiert "Gene" als n-dimensionale Vektoren, faßt Gengruppen zu "Populationen" zusammen, läßt sie, durch Zufallsgeneratoren bedingt, "mutieren" und gemäß einer Fitneßfunktion "selektieren". Auf diese Weise ist es gelungen, Evolutionsprozesse zu simulieren, wie das Wachstum von Pflanzen, die Fellfärbung von Säugetieren, das Schwarmverhalten von Zugvögeln usw. Auch mathematische Beweise können auf diese Art geführt werden. Implantiert man diese Programmiertechnik in computergesteuerte Roboter, so zeigen sie plastisches, unvorhersagbares Verhalten, Lernfähigkeit usw., so daß die Idee aufkam, man könne mit dieser Technik alle Lebensphänomene, auch typisch menschliche Leistungen simulieren.
Donnerstag, 21. September, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Norbert Kapferer
(Breslau)
Philosophie im Nationalsozialismus
Das Schicksal der Philosophie in Deutschland während der NS-Zeit
ist über weite Strecken bislang immer noch unerforscht. Es wird die
Nazifizierung der Philosophie am Beispiel der Universität Breslau
vorgestellt und in Relation zu den Vorgängen in Berlin, Freiburg und
Heidelberg gebracht. Im Mittelpunkt stehen die Philosophen dieser Universitäten,
ob als Akteure oder als Kulisse dieser Vorgänge.
Montag,
25. September um 19.00 Uhr !
Streitfall - Autoren in der Kontroverse
Diskussion im Literaturhaus Frankfurt,
gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk und dem
Forum für Philosophie
Es diskutieren über die neuen Bücher
von Silvia Bovenschen, Jochen Köhler und Rüdiger Safranski:
Franziska Augstein, Micha Brumlik und Martin
Lüdke mit Silvia Bovenschen als Gast.
Moderation: Peter Kemper
-----> Dienstag, 03.
Oktober, 20.00 h
Philosophie als Experiment - Das philosophische Gespräch im
Forum
Eingeladen sind alle philosophisch Interessierten mit Lust zum Reden
und Zuhören. Die Idee ist, daß jede Person, die einen Vortrag
halten möchte, ihr Thema den anwesenden Zuhörer(inne)n kurz vorstellt,
die danach darüber abstimmen, welchen Vortrag sie hören und diskutieren
möchten.
Donnerstag, 05. Oktober
Dr. phil. Rainer Forst
(Frankfurt am Main)
Grenzen der Toleranz
Der Begriff der Toleranz erhält erst dadurch einen normativen Gehalt,
daß die Grenzen der Toleranz bestimmt werden: Toleranz geht, so die
klassische Auffassung, stets mit Intoleranz gegenüber den Intoleranten
einher. Wie aber lassen sich diese Grenzen festlegen, wenn sich herausstellt,
daß der Begriff der Toleranz selbst nur unzureichende normative Ressourcen
hierfür enthält? Auf welche Prinzipien kann zu diesem Zweck zurückgegriffen
werden?
Donnerstag, 12. Oktober, 20.00 h
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler
(Frankfurt am Main)
Naturalismus
Der Begriff des Naturalismus bezeichnet seit dem 17. Jahrhundert jede
Lehre, wonach "die Natur" die letzte Grundlage aller Erscheinungen ist
- insbesondere auch der kulturellen und geistigen Phänomene. Dabei
ergeben sich je nach der Interpretation des Naturbegriffs verschiedene
Naturalismen. Durch den Siegeszug der Evolutionstheorie und durch die imposanten
Erfolge der Naturwissenschaften im 20. Jahrhundert hat sich ein sogenanntes
naturwissenschaftliches Weltbild entwickelt, mit dem oft ein allumfassender
Anspruch auf die Erkenntnis der Welt erhoben wird.
Angesichts dieses angemaßten Deutungs- und Erkärungsmonopols
durch die Naturwissenschaften stellt sich der Philosophie die Frage, ob
auch sie naturalisiert werden kann und damit überflüssig würde
- eine Frage, die "natürlich" verneint werden muß.
Donnerstag, 19. Oktober, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik
(Frankfurt am Main)
Triumphalismus oder Besitzverzicht?
Probleme des jüdisch-christlichenDialogs
Donnerstag, 26. Oktober, 20.00 h
Priv.doz. Dr. phil. Matthias Jung
(Chemnitz)
Der Fluß des Heraklit und die Paradoxien des Alltags
Von Heraklit ist die Behauptung überliefert, man könne nicht
zweimal in denselben Fluß steigen. Hat diese merkwürdige, paradoxe
These irgendeinen Bezug zu unserer alltäglichen Erfahrung? Haben auch
Paradoxe einen Sitz im Leben, oder beschränken sie sich auf die Grenzbereiche
des logisch-mathematischen Denkens? Es wird dafür argumentiert, daß
menschliche Erfahrung prinzipiell eine paradoxale Tendenz in sich trägt.
Das zu begreifen, bereichert unser Selbst- und Weltverständnis nicht
wenig.
Donnerstag, 02. November, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik
(Frankfurt am Main)
"Ethos der Weltreligionen": Verheißung oder Illusion?
Donnerstag, 09. November, 20.00 h
Prof. Dr. jur. Michael Baurmann
(Düsseldorf)
Markt und Moral
Es ist heute wieder sehr populär, die moderne Marktgesellschaft
als eine Gesellschaft anzuprangern, in der Moral und Tugend zunehmend durch
Egoismus und Nützlichkeitsdenken verdrängt werden. Markt und
Moral müssen sich aber nicht ausschließen. Im Gegenteil: der
Markt kann sogar ein Fundament für die Ausbildung sozialer Tugenden
und moralischer Integrität sein.
Donnerstag, 16. November, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Thomas Metzinger
(Mainz)
Ist das Ich eine Illusion?
Das phänomenale Bewusstsein stellt uns vor die Frage, was eigentlich
eine bewusst erlebte Erste-Person-Perspektive ist. Was bedeutet es überhaupt,
jemand zu sein, also im subjektiven Erleben eine individuelle Perspektive
auf die Welt, auf andere Menschen und auf die eigenen geistigen Zustände
einzunehmen? Was heißt es eigentlich genau, daß Bewußtsein
ein subjektives Phänomen ist? Die These wird sein, daß es so
etwas wie "Selbste" in der Welt nicht gibt, sondern nur eine ganz bestimmte
Form von Selbstmodellen mit einer langen soziokulturellen Geschichte.
Freitag-Samstag 17. - 18. November
Wochenendseminar
im Forum für Philosophie
Thema: Das Buch von Thomas Nagel:
"Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die
Philosophie"
Stuttgart 1990, Reclam Nr. 8637
Zeit: Freitag 20 - 21, Samstag 10 - 13 und 15 - 18 Uhr.
Seminargebühr 150.- DM, telefonische Anmeldung spätestens
bis 06. November !
Donnerstag, 23. November, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik
(Frankfurt am Main)
Geht der Buddha westwärts?
Zum Spannungsverhältnis westlicher und östlicher Religionen
Donnerstag, 30. November
Paul Lynch M.A.
(Frankfurt am Main)
Ich lache, also weine ich - Humor in der irischen Literatur
Als Oscar Wilde auf seinem Sterbebett in einem Pariser Hotel lag, sagte
er: "Entweder diese Tapete muß verschwinden oder ich." Die pechschwarze
Leichtigkeit dieser Aussage prägt die irische Literatur seit vier
Jahrhunderten. Von Jonathan Swift und Lawrence Sterne, über George
Bernard Shaw, James Joyce, Samuel Beckett bis zu Flan O´Brien belebt
ein heiterer Stoizismus die Literatur der grünen Insel. Die Beispiele
aus dieser Schatztruhe offenbaren, was Humor ist und warum Lachen ein Schlüssel
menschlicher Existenz ist.
-----> Freitag, 01. Dezember 19.00
Uhr !
Streitfall - Autoren in der Kontroverse
Diskussion im Literaturhaus Frankfurt,
gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk und dem
Forum für Philosophie
Es diskutieren über neue Bücher: Franziska Augstein, Micha Brumlik und Martin Lüdke mit einem Gast.
Moderation: Peter Kemper
Donnerstag 07. Dezember, 20.00 h
Dr. phil. Thomas Schramme
(Mannheim)
Krieg für Menschenrechte?
Der Kosovo-Krieg hat die philosophische Debatte zur Rechtfertigung einer
militärischen Intervention in "innere Angelegenheiten" souveräner
Staaten mit einem Anwendungsfall konfrontiert. Ist es erlaubt - möglicherweise
sogar geboten - einen Krieg zur Verteidigung der Menschenrechte zu führen?
Diese Frage wurde in der Tagespresse hauptsächlich als völkerrechtliche
gestellt, d.h. inwiefern ein solcher Einsatz der UN-Charta widerspricht
oder nicht. Eine moralphilosophische Betrachtung aber führt zu der
Frage: Kann es eine moralische Rechtfertigung humanitärer Interventionen
geben?
Donnerstag, 14. Dezember, 20.00 h
Prof. Dr. rer. pol. Karl-Otto Hondrich
(Frankfurt am Main)
Moralische Gesetze des gesellschaftlichen Lebens
Die Frage ist, ob die Grundnormen, die das menschliche Zusammenleben regeln, kulturell, also von Gesellschaft zu Geselllschaft verschieden sind, oder einen gemeinsamen Kern haben, also universell gültig sind.
1999
Donnerstag 14.01.
Prof. Dr. phil. Hauke Brunkhorst (Flensburg)
Die Demokratisierung der Souveränität
(Hobbes, Spinoza, Rousseau)
Am Beispiel von Hobbes kann gezeigt
werden, wie der moderne Begriff politischer Souveränität mit
der Idee elementarer liberaler Rechte verschränkt ist. Rechte gehen
bereits aus der kontraktualistisch begründeten Beziehung von Souveränität
und positivem Recht hervor. Am Beispiel Spinoza wird gezeigt, welche Folgen
es hat, wenn Souveränität zur demokratischen Selbstgesetzgebung
wird. Die Erzeugung von Legitimität durch Legalität macht auch
die Aktualität der Theorie der Volkssouveränität aus, wie
Rousseau sie entwickelt hat.
Donnerstag 21.01.
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik (Heidelberg)
Tugendethik
Daß Charakter sehr viel mit Moral zu tun hat, ist dem Alltagsverstand geläufig. Ob ein guter Charakter für ein glückliches Leben von Bedeutung ist, ist seit Platon umstritten. Die damit verbundenen Fragen hat die Philosophie schon immer mit dem heute altmodisch klingenden Begriff der "Tugenden" verbunden. In jüngster Zeit bewegt - nach Jahren vermeintlichen Vergessenseins - die Moralphilosophie wieder heftig die Frage: Wie ist das Verhältnis von Glück, Gerechtigkeit und Charakter?
Mut, Liebe und Habgier - wie Tugenden
und Laster nicht nur unser Leben, sondern auch den Zustand der Gemeinschaft,
in der wir leben, bestimmen.
Donnerstag 28.01.
Prof. Dr. jur. Klaus Günther (Frankfurt am Main)
Die Unbestimmtheit des Rechts
Juristen standen schon immer unter dem Verdacht, "Rechtsverdreher" zu sein, weil sie das scheinbar klare und eindeutige Gesetz bei der Anwendung auf Einzelfälle so umdeuten, verändern und manipulieren, daß sie fast jedes erwünschte Ergebnis aus dem Gesetz herleiten. Wenn dieser Verdacht zutreffen sollte, wäre das Gesetz eigentlich überflüssig und die demokratische Legitimation der Gesetzgebung bedeutungslos. Der Vortrag geht den Gründen und Folgen der sprachlichen Unbestimmtheit von Rechtsnormen nach und diskutiert einige aktuelle Vorschläge zur Lösung dieses Problems.
Donnerstag 04.02.
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik (Heidelberg)
Tugendethik (Fortsetzung)
Pflichten, Nutzen und Tugenden - wie
eine Tugendethik mit Utilitarismus und Kantianismus konkurrieren will.
Donnerstag 11.02.
Prof. Dr. phil. Micha Brumlik (Heidelberg)
Tugendethik (Fortsetzung)
Vertrauen, Sympathie und Wohlwollen
- warum die richtigen moralischen Gefühle die Voraussetzungen eines
guten und geglückten Lebens sind.
Donnerstag 18.02.
Dr. phil. Hans Zitko (Frankfurt am Main)
Die Spuren des Protestantismus in
der neuzeitlichen Philosophie des Subjekts
Max Weber hat in seinen religionssoziologischen
Studien auf den Zusammenhang zwischen dem Protestantismus und einer allgemeinen
Rationalisierung lebensweltlicher und ökonomischer Strukturen aufmerksam
gemacht. Die Frage ist, welche Konsequenzen dieser Zusammenhang für
das Selbstverständnis des Menschen und für die neuzeitliche Philosophie
des Subjekts hat.
Donnerstag 25.02.
Privatdozent Dr. phil. Achim Stephan
(Rüsselsheim)
Sind Tiere schwer von Begriff?
Will man Tiere als intentionale Systeme betrachten, ihnen Überzeugungen, Absichten und damit auch Begriffe zuschreiben, so sollte geklärt sein, was es überhaupt heißt, über einen Begriff zu verfügen. Da in der gegenwärtigen Debatte extrem anspruchsvolle Kriterien für das Verfügen über Begriffe mit vergleichsweise anspruchslosen konkurrieren, wird deren jeweilige Angemessenheit an verschiedenen Beispielen aus der Verhaltensforschung erprobt.
Donnerstag 04.03.
Dr. phil. Louise Röska-Hardy (Jugenheim)
Wie verstehen wir Personen?
Wir alle verstehen uns als Personen.
Dieses Selbstverständnis hängt mit dem mentalen Leben, das wir
uns selbst und anderen zuschreiben, eng zusammen. Aber wie gelangen wir
zu Aussagen über Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken und Absichten?
Ermöglichen verhaltensbezogene Beobachtungen oder die Anwendungen
einer alltagspsychologischen Theorie oder aber ein fantasievolles Hineinversetzen
in andere Menschen das Personenverstehen?
Donnerstag 11.03.
Dr. phil. Käthe Trettin (Frankfurt am Main)
Gibt es überhaupt Frauen?
Ein neuer Versuch, Simone de Beauvoirs
klassische Frage zu beantworten
Obwohl in einer "natürlichen ontologischen
Einstellung" (Husserl) wohl niemand daran zweifelt, daß es Frauen
(und Männer) gibt, ist es gleichwohl fraglich, worauf sich das Prädikat
"ist eine Frau" oder der Pluralbegriff "Frauen" bezieht. Ein Ergebnis der
feministischen Forschung ist, daß es keine allgemeine Qualität
der Weiblichkeit, keine universelle Eigenschaft des Frauseins gibt, sondern
daß die Bedeutung der Geschlechtsprädikate von den sozio-kulturellen
Interpretationen abhängig ist. Die These "Geschlecht ist eine soziale
oder kulturelle Konstruktion" läßt aber mehr Fragen offen als
sie beantwortet. Es wird versucht, eine ontologische Antwort zu geben.
Donnerstag 18.03.
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler (Frankfurt am Main)
Die Unvermeidlichkeit des Personenbegriffs
Wie auch immer philosophisch verzwickt
der Begriff der Person sein mag, weil das Personsein so unerklärlich
erscheint, so können wir Menschen nicht umhin, uns selber als "jemand"
und nicht als "etwas" (Spaemann) zu verstehen, als Personen und nicht als
Sachen oder Dinge. In gewisser Weise ist ein Mensch schon vor seiner Geburt
eine Person und auch noch nach seinem Tod, aber erst recht während
seines Lebens.
Donnerstag 25.03.
Prof. Dr. phil. Dieter Birnbacher (Düsseldorf)
Das Dilemma des Personenbegriffs
In der Bioethik übernimmt der Personenbegriff seit einiger Zeit eine Schlüsselrolle. Die Frage "Wie hältst Du's mit der Person?" ist in vielen Diskussionen wortwörtlich zur Gretchenfrage geworden, die über Aufnahme oder Abbruch kollegialer Beziehungen entscheidet. Demgegenüber plädiert der Vortrag für eine "Deflationierung" des Personenbegriffs: Alle an der Debatte beteiligten Parteien täten besser daran, auf den Personenbegriff ganz zu verzichten und den Personenbegriff durch stärker differenzierte Begriffe, die jeweils konkrete Fähigkeiten und Rechtsansprüche benennen, zu ersetzen.
Freitag-Samstag 16. - 17. 04.
Wochenendseminar im Forum für
Philosophie
Thema: Das Buch von Thomas Nagel
"Was bedeutet das alles? Eine ganz
kurze Einführung in die Philosophie"
In diesem Buch (Stuttgart 1990, Reclam
Nr. 8637) werden folgende Probleme behandelt: Woher wissen wir etwas?,
das Fremdpsychische, das Leib-Seele-Problem, die Bedeutung von Wörtern,
Willensfreiheit, Recht und Unrecht, Gerechtigkeit, Tod, Sinn des Lebens.
Freitag:
20 - 21 Uhr: Einführungsvortrag: Dr. phil. Wolfgang R. Köhler
Samstag:
10 - 13 Uhr: Ausgewählte Lektüre des Textes
15 - 18 Uhr: Lektüre mit Schlußdiskussion
Mindestteilnehmerzahl 10, maximal 25
Telefonische Voranmeldung bis 26. 3. 99
Seminargebühr 150.- DM, Überweisung
bis spätestens 31.3.99
Donnerstag 22.04.
Prof. Dr. phil. Manfred Geier (Hamburg)
Pandoras Kinder - Eine lange Geschichte
der künstlichen Frauen
Von Hesiods Mythos der mechanisierten
Ur-Frau bis in die aktuelle Science-Fiction-Literatur (z.B. William Gibsons
"Idoru") lebt das Phantasma der künstlichen Frauen. In der Regel werden
sie von Männern imaginiert und hergestellt. Wo liegt die Quelle dieser
Phantasie und wieso ist sie so zählebig?
Montag 26.04.
Prof. Dr. phil. Manfred Geier (Hamburg)
Wir Cyborgs - Die Vermischung von
Künstlichkeit und Natürlichkeit
"Wir sind alle Chimären, theoretisierte und fabrizierte Hybriden aus Maschinen und Organismen; kurz, wir sind Cyborgs." In Donna Haraways "Cyborg Manifesto" wird die Verbindung von Kybernetik und Organismus, von Technik und Biologie, als Schlüsselereignis der gegenwärtigen Epoche bestimmt. Phänomene, Bilder und Reflexionen dieser eskalierenden Cyborgisierung werden zur Diskussion gestellt.
Donnerstag 06.05.
Dr. phil. Dietrich Neuhaus (Frankfurt am Main)
Wie ist protestantische Ethik möglich?
Die Rechtfertigungslehre gilt vielen
Menschen als Kernstück protestantischer Theologie. Sie ist durch das
Scheitern eines ökumenischen Konsenses im letzten Jahr unvermutet
wieder in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. In ethischer
Hinsicht besteht ihr Skandal darin, daß die Vorstellung von einem
moralisch urteils- und handlungsfähigen menschlichen Subjekt völlig
entkernt wird. Wie kommt die protestantische Theologie dennoch zu einer
Ethik?
Donnerstag 20.05.
Privatdozent Dr. phil. Hans-Dieter Mutschler (Frankfurt am Main)
Ist das Christentum philosophisch
noch zu retten?
Im Mittelalter war die Philosophie
die Magd der Theologie. Bei Kant dagegen beanspruchte die Philosophie,
der Theologie das Licht voranzutragen, und ließ sie nur noch "innerhalb
der Grenzen der bloßen Vernunft" gelten. Hegel hob sie in den spekulativen
Begriff hinein, und Marx ließ sie in der gesellschaftlichen Praxis
aufgehen. Hat das Christentum jenseits solcher Umarmungstaktiken, die auf
seine Abschaffung als eigenständige Größe hinauslaufen,
einen nachweisbaren Sinn? Karl Rahners Theologie zeigt, daß das Christentum
eine Weise des praktischen Umgangs mit dem Problem des Leidens, der Endlichkeit
und dem Sinnverlangen darstellt.
Donnerstag 27.05.
Prof. Dr. phil. Axel Bühler (Düsseldorf)
Das Problem der Anwendung in der
juristischen Interpretation
Der juristischen Interpretation geht es vor allem darum, unter Rekurs auf Gesetzestexte oder auf Willenserklärungen soziale Situationen zu regeln. Es soll dargestellt werden, welche Bedeutung hierbei Methoden der historischen Interpretation und vor allem der Feststellung der Autorintention haben. Zu begründen ist, warum die Feststellung der Autorintention bei der juristischen Interpretation - insofern wir es hier mit der Anwendung von Texten auf eine soziale Situation zu tun haben - nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen kann.
Donnerstag 10.06.
Prof. Dr. phil. Thomas Meyer (Dortmund)
Die Theatralisierung der Politik
Medien und Politiker haben einen Bund
geschmiedet: Effektvoll und mundgerecht werden Ideen, Programme und das
politische Handeln inszeniert, um das Publikum zu unterhalten. Theatralität
bestimmt das Geschehen auf und vor der Bühne. Der Blick hinter die
Kulissen bleibt der Öffentlichkeit verwehrt. Was wird aus Mündigkeit
und Demokratie? Muß Politik schlechtes Theater sein?
Donnerstag 17.06.
Prof. Dr. theol. Hermann Deuser (Frankfurt am Main):
Pragmatismus und Religion
In der philosophischen Diskussion in
Deutschland, die seit Ende der sechziger Jahre den amerikanischen Pragmatismus
gründlich rezipiert hat, ist meist die religionsphilosophische Originalität
dieser Schulbildung übersehen worden. Für W. James, mehr noch
für C.S. Peirce, war vor allem der religiöse Glaube ebenso eine
philosophische wie eine religionswissenschaftliche Realität. Pragmatismus
und Religion schließen sich nicht nur nicht aus; sie gehören
zueinander.
Donnerstag 24.06.
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler (Frankfurt am Main)
Wie praktisch kann Religion sein!?
Wenn die Annahme einer transzendenten
Wirklichkeit fragwürdig geworden ist, gerät jede Religion in
eine Krise. Die von Hegel proklamierte Entzweiung des Bewußtseins
führte über Darwin, Nietzsche, Freud und die Naturwissenschaften
zu der immanenten Weltsicht unseres Jahrhunderts. Wie kann man sich auf
der Basis einer rein immanenten Weltsicht trotzdem für eine Religion
entscheiden? Darf Religion nur ein Placebo sein, das der "Kontingenzbewältigung"
dient - oder gehören zu einem religiösen Glauben auch für
wahr gehaltene Inhalte? Kann das theologische Rechtfertigungsproblem ohne
Sinnverlust zu einem praktischen Entscheidungsproblem umgewandelt werden?
1.7.- 1.9.1999: keine Veranstaltungen
Philosophie als Experiment
Das philosophische Gespräch im "Forum"
Eingeladen sind alle philosophisch
Interessier ten mit Lust zum Reden und Zuhören. Die Idee ist, daß
jede Person, die einen Vortrag halten möchte, ihr Thema den anwesenden
Zuhörer(inne)n kurz vorstellt, die danach da rüber abstimmen,
welchen Vortrag sie hören und diskutieren möchten.
Donnerstag 16.09.
Am Nullpunkt der Zeit - Die philosophische Problematik der Kosmogonie
Privatdozent Dr. phil. Peter Eisenhardt (Frankfurt am Main)
Vor ca. 15 Milliarden Jahren soll durch
ein erstes Ereignis an einer Singularität das Universum entstanden
sein. Insofern ist dieses erste Ereignis, der sogenannte "Urknall", selbst
kein Bestandteil des Universums. Für die physikalischen Theorien der
Quantenkosmologie, die sich an diese Initialsingularität herantasten,
gilt, daß die Einsteinsche Raumzeit in Raum und Zeit aufgespalten
werden muß: so kann man explizit und scheinbar paradox von der "Entstehung
der Zeit" sprechen. Es werden zwei Versionen der Quantenkosmologie dargestellt,
die von Physikern der "mathematischen Metaphysik" zugerechnet werden. Wesentlich
sind die ontologischen Voraussetzungen und Folgen dieser Modelle. Könnte
die Zeit aus einem zeitlosen Grund zustand emergiert sein? Welches Verhältnis
besteht zwischen Bewegung und Zeit? Muß so etwas wie eine zeitlose
Bewegung als Voraussetzung der Zeitentstehung gedacht werden? Hierüber
philosophierten schon Platon, Aristoteles, Plotin, Augustin und nicht zuletzt
Kant.
II. Schwerpunkt: Philosophen über
Philosophen
Schon Aristoteles hat sich, wenn
auch nur knapp, über seinen Lehrer Platon und dessen Ideengeber Sokrates
geäußert. In der Neuzeit beginnen viele Philosophen direkt über
andere - oder auch an sie - zu schreiben. Descartes z.B. erwidert auf die
Einwände seiner zeitgenössischen, materialistisch denkenden Briefpartner
wie Hobbes. Spinoza stellt Descartes' Philosophie in einer eigenen Abhandlung
dar, ebenso später auch Leibniz die Philosophie Lockes usw. Wenn wie
im 18. und 19. Jahr hundert außer der Werkkenntnis noch biographisches
Datenmaterial zur Verfügung steht oder gar eine persönliche Bekanntschaft
vor gelegen hat, dann verdichten sich die philosophischen Beziehungen erheblich.
In dieser Reihe wird das Urteil berühmter Kollegen über berühmte
Kollegen von heute noch nicht so berühmten Kollegen dargestellt. Da
bei wird mal das Werk, mal die Person, über die es geht, im Vordergrund
stehen, und in manchen Fällen des 19. Jahrhunderts lassen sich Person
und Werk nicht einmal bei den Philosophen voneinander trennen, die über
die anderen schreiben.
Donnerstag 23.09.
Augustin über Platon
Dr. phil. Karl-Werner Wilhelm (Bad
Nauheim)
---> Mittwoch 29.09.
Diskussionsveranstaltung gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk
(Aufzeichnung im Forum, Sendung im HR2)
Es diskutieren über die neuen Bücher von
Norbert Bolz, Neil Postman, F. Tenbruck et al.:
Franziska
Augstein, Axel Honneth, Martin Lüdke mit Norbert Bolz als Gast. Moderation:
Peter Kemper
.Prof. Dr. phil. Reinhard Brandt (Marburg)
Kant über Rousseau
Donnerstag 14.10.
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler (Frankfurt am Main)
Kant über David Hume
Donnerstag 21.10.
Dr. phil. Klaus-Jürgen Grün (Frankfurt am Main)
Schelling über Kant und Fichte
Donnerstag , 28.10.
Prof. Dr. phil. Gerhard Gamm (Darmstadt)
Hegel über Kant
Dr. phil. Oliver Fürbeth (Wetzlar)
Schopenhauer über Hegel
Donnerstag, 11.11.
Dr. theol. Heiko Schulz (Wuppertal)
Kierkegaard über Hegel
Donnerstag, 18.11.
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Frankfurt am Main)
Marx über Hegel
Donnerstag, 25.11.
Dr. phil. Hans Zitko (Frankfurt am Main)
Nietzsche über Schopenhauer
Heidegger über Nietzsche
Dr. phil. Matthias Jung (Mühlheim)
Donnerstag, 09.12.
Popper über Platon und Hegel
Prof. Dr. phil. Manfred Geier (Hamburg)
Donnerstag, 16.12.
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler (Frankfurt am Main)
Rorty über Wittgenstein und
Heidegger