Donnerstag, 06. September 2001
Dr phil. Thea Mohr
(Frankfurt am Main)
Ist indisches Denken Philosophie?
Im 18.Jahrhundert war eines der großen Themen Indien. Aufklärung wie Romantik sind gleicherma ßen von der fremden, exotischen Welt fasziniert. Die Fülle der nach Europa gelangenden Reisebe richte suchen europäische Intellektuelle zu erfassen. Doch Indien bleibt unzugänglich, insbesondere die indische Philosophie. Die im 20.Jahrhundert einsetzende Globalisierung scheint eine entmytholo gisierte Annäherung an Indien erforderlich zu machen, das in unserer Einschätzung zwischen einem Armenhaus und einer spirituellen Kraftquelle hin und her schwankt. Am Beispiel des Buddhismus wird der Einfluß des indischen auf das abendländische Denken dargestellt und abschließend wird gefragt, welchen philosophischen Status indisches Denken hat?
Donnerstag, 13. September 2001
PD Dr. phil. Hans Dieter Mutschler
(Frankfurt am Main)
Grundprobleme der Philosophie
nach Aristoteles I
Aristoteles war einer der Begründer des abendländischen Denkens. Seine fundamentalen Unterschei dungen wirken bis heute fort. Aus dem 11.Buch der 'Metaphysik' werden in einer ersten Sitzung das Verhältnis zwischen 'Denken', 'Handeln' und 'Herstellen', Mathematik, Physik und Philosophie und die verschiedenen Arten des Werdens bzw. der Veränderung vorgestellt.
Donnerstag, 20. September 2001
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler
(Frankfurt am Main)
Grundprobleme der Philosophie
nach Aristoteles II
Im 11. Buch werden für die europäische Philosophie grundsätzliche Weichen gestellt. Nicht nur wird das Wesen der Philosophie selber bestimmt, indem sie von anderen Wissenschaften unterschieden wird, die sich mit einem jeweils verschiedenen Bereich des Seienden befassen, sondern es werden auch die prinzipiell unbeweisbaren logischen Axiome zum ersten Mal dargestellt, wie der Satz vom zu vermei denden Widerspruch und der Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Dabei wird der Bereich des Logischen ontologisch zu untermauern versucht. Nebenher kritisiert Aristoteles viele seiner Vorgänger.
Donnerstag, 27. September 2001
PD Dr. phil. Matthias Jung
(Chemnitz)
Was heißt es, jemanden oder etwas zu verstehen?
Worin unterscheidet sich unser alltägliches Verstehen vom wissenschaftlichen Weltzugang? Kann man andere Menschen besser verstehen als diese sich selbst? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Hermeneutik. Der Vortrag führt in die Grundmotive des hermeneutischen Denkens ein und geht dabei besonders auf die Frage ein, wie die Rolle des Verstehens in einer immer stärker wissenschaftlichtechnisch geprägten Welt verstanden werden kann?
Donnerstag, 04. Oktober 2001
Philosophie als Experiment -
Das philosophische Gespräch im Forum
Eingeladen sind alle philosophisch Interessierten mit Lust zum Reden und Zuhören. Die Idee ist, daß jede Person, die einen Vortrag halten möchte, ihr Thema den anwesenden Zuhörer(inne)n kurz vorstellt, die danach darüber abstimmen, welchen Vortrag sie hören und diskutieren möchten.
Donnerstag, 11. Oktober 2001
PD Dr. phil. HansDieter Mutschler
(Frankfurt am Main)
Was ist eigentlich 'Natur'?
Während Begriffe wie 'Kultur' oder 'Technik' einigermaßen klar definiert sind, weiß niemand so recht, was man eigentlich unter 'Natur' verstehen soll? Ist 'Natur' ein Wert oder ein nur ein deskriptiver Begriff? Ist sie moralrelevant? Wissen die Naturwissenschaften alles über Natur oder gibt ein darüber hinausgehendes Naturwissen? Läßt sich 'Natur' von 'Kultur' oder 'Geschichte' abgrenzen oder bezeichnet 'Natur' die Totalität alles Existierenden? Sind die 'Dinge der Natur' und die 'Natur der Dinge' identisch?
Donnerstag, 18. Oktober 2001
Dr. phil Frank. Siebelt
(Frankfurt am Main)
Die Ursachen des Wissens
Wir wissen angeblich eine ganze Menge von Dingen. Nach traditioneller Auffassung genügt es nicht, nur eine wahre Meinung zu haben, damit diese ein Wissen genannt werden kann. Dazu kommen muß für wahre Meinungen, um ein Wissen zu sein, noch etwas anderes, nämlich ihr Begründetsein. In der modernen Erkenntnistheorie des Externalismus kann das, was wahre Meinungen zu Wissen macht, dem Erkennenden nicht zugänglich sein, da es extern ist. Im Internalismus verhält es sich umgekehrt. Wie soll man mit dieser Aporie umgehen?
Donnerstag, 25. Oktober 2001
Prof. Dr. phil. Werner Becker
(Gießen)
Das Dilemma der menschlichen Existenz
Das Wissen um unseren Tod und unsere Individualität hat sich geschichtlich entwickelt und ist nicht schon mit unserer biologischen Ausstattung gegeben. Auf das daraus resultierende Dilemma reagieren die Menschen auf doppelte Weise: Indem sie eigenständige Ausdrucksformen ihrer Individualität entwickeln und zweitens, indem sie gesellschaftliche Formen der Dilemmabewältigung, wie etwa die Religionen, hervorbringen.
Donnerstag, 01. November 2001
Prof. Dr. jur. Walter Grasnick
(Marburg)
Recht und Philosophie -
eine zeitgemäße Betrachtung
Recht muß Recht bleiben. Alles was recht ist. Nur: Was ist Recht? Das hat uns noch keiner verraten. Erst recht kein Jurist. Wir müssen lenen, neu zu fragen. Und anders als bisher. Ansätze dazu finden wir bei Philosophen. Zum Beispiel bei Wittgenstein und Rorty. Aber auch gerade bei Luhmann, der hier als Philosoph vorgestellt wird.
Donnerstag, 08. November 2001
Prof. Dr. rer.nat. Thomas Görnitz
(Frankfurt am Main)
Was bleibt im Lichte der Quantentheorie
vom Begriff des Realismus?
Von den Atomisten bis zu den Materialisten des 19. Und 20.Jahrhunderts bestand die 'Realität' lediglich aus Fakten und Objekten. Seit der Entdeckung der Quantentheorie erweist sich nun sogar aus naturwissenschaftlicher Sicht dieses Weltbild als zu simpel. Über die Naturwissenschaften hinaus ist es auch für das allgemeine Bewußtsein, die Konsequenzen der Quantenphysik für jeden Versuch einer zutreffenden Beschreibung der Welt zu erfassen. Auch für den Begriff des 'Realismus' werden Vortrag und Diskussion Schlußfolgerungen aufzeigen, die sich aus dieser naturwissenschaftlichen Revolution ergeben.
Donnerstag, 15. November 2001
Prof. Dr. phil. Hermann Schrödter
(Frankfurt am Main)
Bioethik, moralisch betrachtet
In der gegenwärtigen Bioethikdebatte scheinen die Termine 'Ethik' und 'ethisch' alles NichtBiologischNaturwissenschaftliche oder RechtlichGesetzliche zu bezeichnen. Sie werden zu Titeln für emotionale Stellungnahmen, religiöse Standpunkte, anthropologischmetaphysische Grundlagen oder pragmatische Situationsanforderungen. Diese Unklarheit führt dazu, daß 'ethische' Argumentationen oft beliebig erscheinen oder daß nicht klar wird, worin denn die 'ethische Relevanz' der neuen biologischen Erkenntnisse und der darauf beruhenden Techniken besteht. Was folgt daraus für einen philosophischen Beitrag zur Bioethikdebatte?
Donnerstag, 22. November 2001
Prof. Dr. phil. Achim Stephan
(Osnabrück)
Was hat die Psychoanalyse von den Neuro-
und Kognitionswissenschaften zu erwarten?
Da Veränderungen der Psychoanalyse in der Vergangenheit hauptsächlich aufgrund innerpsychologischer Erfahrungen und nicht aus interdisziplinären Konflikten erfolgten, ist im interdisziplinären Diskurs eine neue Qualität in der Auseinandersetzung um die künftige Entwicklung der psychoanalytischen Theorie zu erwarten. Insbesondere stellt sich die Frage, welche der derzeit anerkannten psychoanalytischen Hypothesen und Begriffe in den interdisziplinären Rahmen einer künftigen wissenschaftlichen Anthropologie integrierbar sind und welche nicht.
Donnerstag, 29. November 2001
Prof. Dr. phil. Elke Brendel
(Mainz)
Woher weiß man, was man weiß?
Seit einigen Jahren erfährt die traditionelle Erkenntnistheorie eine radikale Neuorientierung: Die klassische Kontroverse zwischen Empirismus und Rationalismus, die Frage nach der Möglichkeit apriorischer Erkenntnis, die Trennung von Subjekt und Objekt der Erkenntnis sowie das cartesische Ideal eines isolierten erkennenden Individuums werden abgelehnt bzw. durch ein neues Paradigma der Erkenntnistheorie ersetzt. Dieses besteht vor allem in einer Sozialisierung und Naturalisierung der Erkenntnistheorie, das mit den Errungenschaften der Naturwissenschaften wie z.B. Wahrnehmungspsychologie und Kognitionswissenschaft verbunden wird.
Donnerstag, 06. Dezember 2001
Prof. Dr. rer.pol. Karl Otto Hondrich
(Frankfurt am Main)
Der neue Mensch
Soziale Prozesse und Gesetzmäßigkeiten laufen, entgegen allgemeiner Überzeugung, unweigerlich kultur und fortschrittsunabhängig ab und machen letztlich alle Ideen eines grundsätzlich anderen Menschen oder eines anderen Lebens zunichte. Die Tatsache der Sozialität selbst, die Eigengesetzlichkeit der Gesellschaft ist mächtiger als alle Politik, Pädagogik, Technologie, ja sogar Genetik.
Donnerstag, 13.Dezember 2001
Dr. phil. Thomas Schramme
(Mannheim)
Ist Natürlichkeit selbstverständlich?
`Natürlichkeit' ist ein in unserer Gesellschaft positiv besetzter Begriff. Die Werbung hat sich darauf eingestellt und verkauft Produkte bevorzugt unter diesem Label. Doch was meinen wir überhaupt, wenn wir etwas als 'natürlich' bezeichnen? Offensichtlich sehr Verschiedenes. Kann der Begriff der 'Natürlichkeit' als sinnvoller Wertbegriff aufrechterhalten werden, oder dient er nur dazu, Interessen unter dem Deckmantel des angeblich 'Objektiven' durchzusetzen?
Kostenbeitrag
pro Vortrag 15 DM,
10 DM für Student(inn)en
Für das erste Halbjahr 2002
wird unser Programm rechtzeitig hier veröffentlicht.
1. Halbjahr 2001
Donnerstag, 11. Januar 2001, 20.00 h
Privatdozent Dr. phil. Peter Eisenhardt
(Frankfurt am Main)
Am Nullpunkt der Zeit -
Die philosophische Problematik der Kosmogonie
Vor ca. 15 Milliarden Jahren soll durch ein erstes Ereignis an einer Singularität das Universum entstanden sein. Insofern ist dieses erste Ereignis, der sogenannte "Urknall", selbst kein Bestandteil des Universums. Für die physikalischen Theorien der Quantenkosmologie, die sich an diese Initialsingularität herantasten, gilt, daß die Einsteinsche Raumzeit in Raum und Zeit aufgespalten werden muß: so kann man explizit und scheinbar paradox von der "Entstehung der Zeit" sprechen. Könnte die Zeit aus einem zeitlosen Grundzustand emergiert sein? Welches Verhältnis besteht zwischen Bewegung und Zeit? Muß so etwas wie eine zeitlose Bewegung als Voraussetzung der Zeitentstehung gedacht werden?
Donnerstag, 18. Januar 2001, 20.00 h
Prof. Dr. phil. Manfred Geier
(Hamburg)
Der Baum und die Sprache -
Zur Sprachästhetik Walter Benjamins
Benjamin wollte sich an seinem vierzigsten Geburtstag in Nizza das Leben nehmen. Vielleicht tat er es nicht, weil die Schönheit eines Baumes und "seine" Sprache es verhinderten.
Donnerstag, 25. Januar 2001, 20.00
Dr. phil. Markus Lilienthal
(Darmstadt)
Hat das Negative das letzte Wort?
Während traditionelle Philosophie oft affirmativ war, tritt Philosophie in der Moderne häufig im negativen Gewande auf: als Zerrissenheit, Entzweiung, Entfremdung, Scheitern usw. Fichte sprach von der "vollendeten Sündhaftigkeit", Lukacs von der "transzendentalen Obdachlosigkeit". Verbunden ist damit zugleich eine Rede von neuer Freiheit, der Überschreitung, des Schöpferischen usw. Hierin drückt sich eine Erfahrung von Ambivalenz endlicher Wesen aus, die sich metaphysisch oder religiös nicht mehr stillstellen läßt. Kann die moderne Philosophie dieser negativen Erfahrung etwas Positives entgegensetzen?
Donnerstag, 01. Februar 2001, 20.00
Dr. rer nat. Wolfgang Liebert
(Darmstadt)
Ambivalente Technik!
Wertfreie Wissenschaft?
Die früher selbstverständlich positive gesellschaftliche Reaktion auf Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung und ihrer technischen Produkte erscheint heute grundsätzlich in Frage gestellt. Die Entwicklungsgeschichte von Technologien und ihrer Anwendungen offenbart zunehmende Ambivalenzen. Das führt auch zu widersprüchlichen gesellschaftlichen Bewertungen. Ein Beispiel für die Ambivalenz des wissenschaftlich-technischen Fortschritts stellen die nuklearen Technologien dar. Welche Rolle kann Wissenschaft heute eigentlich spielen? Ist Wissenschaft wertfrei, wie oft behauptet wird?
Donnerstag, 08. Februar 2001, 20.00
Dr. rer.nat. et phil. Hans-Werner Ingensiep
(Essen)
Was ist Leben?
Heute wird diese Frage einerseits vom Standpunkt des Subjekts (z.B. bei Hans Jonas), andererseits vom Standpunkt des Objekts (z.B. bei Umberto Maturana) beantwortet. Könnte es demgegenüber einen übergeordneten und unhintergehbaren Standpunkt geben, der vielleicht biologischer Art ist?
Donnerstag, 15. Februar 2001, 20.00
Dr. phil. Susanne Nordhofen
(Frankfurt am Main)
Was kann Philosophie von der Kunst lernen?
Gemäß einem verbreiteten Cliché gibt es einen scharfen Gegensatz zwischen Realität und Fiktion, Kognition und Emotion, Wissenschaft und Kunst. Der amerikanische Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Nelson Goodman, der zugleich Leiter einer Kunstgalerie war, versuchte mithilfe der Symboltheorie Ernst Cassirers diese Gegensätze durchlässiger zu machen.
Donnerstag, 22. Februar 2001, 20.00
Prof. Dr. phil. Herbert Schnädelbach
(Berlin)
Werte und Wertungen
Wenn vom Wertewandel, vom Wertepluralismus oder vom Werteverfall die Rede ist und nach Werten gerufen wird, ist meist nicht sehr klar, was gemeint ist. Wertfragen sind jedoch keine Scheinprobleme. Es empfiehlt sich, die Sprache der Wertungen auszuformulieren. Vor diesem Hintergrund kann man den vernünftigen Sinn der allzubekannten Rhetorik der Wertungen darlegen. Das Ergebnis läßt sich am "Grundgesetz" überprüfen.
Donnerstag, 01. März 2001, 20.00
Dr. phil. Käthe Trettin
(Frankfurt am Main)
Nachdenken über das Schweigen
Haben wir es immer gleich mit dem Schweigen zu tun, wenn einer mal nichts sagt? Wittgenstein meinte, daß man nur darüber zu schweigen habe, wovon man nicht sprechen könne. Was aber wäre das Unaussprechliche? Gibt es so etwas überhaupt? Ausgehend von einer kurzen phänomenologischen und kulturwissenschftlichen Betrachtung des Schweigens und Verschweigens wird eine Methode vorgestellt, die es erlaubt, eine tiefere Analyse vorzunehmen und in Bereiche vorzudringen, in denen man Phänomene des Schweigens gar nicht vermutet hätte: in der formalen Logik, z.B. bei Aristoteles und Frege.
Donnerstag, 08. März 2001, 20.00
Privatdozent Dr. phil. H.-D. Mutschler
(Frankfurt am Main)
Haben Roboter Urteilskraft?
"Urteilskraft" wird in der praktischen Philosophie das Vermögen genannt, Entscheidungen auch dort begründet zu treffen, wo keine logisch zwingenden Gründe vorhanden sind, sondern wo mit Erfahrungswissen, Know-how, Gefühl usw. gearbeitet wird. Aus der Theorie der universellen Turing-Maschine läßt sich ableiten, daß Computer über ein solches Vermögen nicht verfügen können; auch dann nicht, wenn sie mit Fuzzy Logic, Genetischen Algorithmen, Zufallsgeneratoren, Neuronalen Netzen usw. eingerichtet sind. Diese Analyse bestätigt sich in der Praxis, wenn man die Leistung von künstlichen Systemen in der Medizin, Ökonomie, Kunst usw. betrachtet.
Donnerstag, 15. März 2001, 20.00
Prof. Dr. phil. et theol. M. Lutz-Bachmann
(Frankfurt am Main)
Geschichtsphilosophie heute?
Die großen Systeme der Geschichtsphilosophie stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Wissenschaft von der Geschichte entwickelte sich auf den Trümmern der spekulativen Geschichtsphilosophie Hegels. So stellt sich die Frage, ob heute, nach dem Ende der Geschichtsphilosophie, noch ein philosophischer Begriff von Geschichte möglich ist?
Freitag, 16.März 2001, 19.00 h
Diskussion im Literaturhaus Frankfurt,
gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk
und dem
Forum für Philosophie
Streitfall -
Autoren in der Kontroverse
Es diskutieren über neue Bücher:
Franziska Augstein, Micha Brumlik und Martin
Lüdke mit einem Gast.
Moderation: Peter Kemper.
Donnerstag, 22. März 2001, 20.00
Dr. med. Stephan Sahm
(Wiesbaden)
Der Streit um den guten Tod
Die Debatte um die Sterbehilfe wird durch den Gebrauch unscharfer Begriffe erschwert, ja provoziert. Die medizinische Entwicklung hat gängige Einteilungen - wie etwa die zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe - längst hinfällig werden lassen. Begrenzungen medizinischer Maßnahmen gehören auch am Lebensende zur Routine des ärztlichen Alltags. Die Rechtsprechung hat den Vorrang der Autonomie der Betroffenen vor dem Lebensschutz betont, wenn es um die Beendigung einer lebensverlängernden Ernährungstherapie geht. Eine philosophische Kritik ärztlicher Entscheidungen in diesen Prozessen ist angebracht.
Donnerstag, 29. März 2001, 20.00
Dr. phil. Karl Werner Wilhelm
(Bad Nauheim)
Philosophische Dialoge als Krisenmanagement
Friedensgespräche in Israel, sokratische Dialoge oder interreligiöse Dialoge im Mittelalter verlaufen nach ähnlichen Mustern. Wenn sie gelingen, verbinden sie Lebenswirklichkeiten, die unüberbrückbar schienen. Auf der Suche nach einer möglichst neutralen Vermittlungsinstanz greifen solche Dialoge schnell auf bewährte Methoden der Philosophie zurück. Wichtige Etappen der Philosophiegeschichte lassen sich auf diese Weise als Krisenmanagement verstehen. Neben platonischen Dialogen zeigen vor allem mittelalterliche Dispute zwischen Juden, Christen und Moslems, daß der Streit um die richtige Lebensform zu den Grundlagen europäischen Denkens gehört.
Donnerstag, 05. April 2001, 20.00
Klaus Pförtner OSTA
(Frankfurt am Main)
Die moralischen Grundlagen des Sexualstrafrechts
Ist tatsächlich alles besser, nur die Moral schlechter geworden? Bestimmt eine allgemeine Sittlichkeit einer darauf abstellenden Sexualethik immer noch das materielle Strafrecht, das eigentlich vor Verletzungen realer anerkannter Interessen schützen soll? Ist strafrechtliche "Schuld" eine auch von moralischen Vorstellungen geprägte Interpretation oder Definitionssache?
Donnerstag, 26. April 2001, 20.00
Prof. Dr. phil. Gerhard Gamm
(Darmstadt)
Die Natur des Menschen im Spiegel der Bio- und Informationstechnologien
In den letzten Jahrzehnten ist die Natur des Menschen wieder in den Mittelpunkt öffentlicher und auch philosophischer Debatten getreten. Dazu haben rasante Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, Technologie und Wissenschaft nicht unerheblich beigetragen: die menschliche Natur ist zum lohnenden Objekt von Ökonomisierungs- und Kapitalisierungsprozessen geworden; die Bio- und Informationtechnologien unterstützen sie darin. Diese Situation fordert die Philosophie heraus.
Donnerstag 03. Mai 2001, 20.00
Dr. phil. Louise Röska-Hardy
(Jugenheim)
Braucht man zum Denken Sprache?
Unsere alltäglichen Erfahrungen legen es nahe, daß Sprache
eine wichtige Rolle beim Denken spielt. Wenn wir Überlegungen anstellen,
Pläne
entwerfen oder Probleme lösen, scheint es, daß ein Großteil
unseres Denkens sprachlichen Charakter hat. Aber um welche Art von Sprache
handelt es sich dabei? Vollzieht sich das Denken mit Hilfe einer sogenannten
natürlichen Sprache wie z.B. Deutsch oder ist die im Denken implizierte
bzw. verwendete Sprache eher als eine Sprache des Geistes zu konstruieren
und zu verstehen?
Donnerstag, 10. Mai 2001, 20.00
Dr. phil. Peter Niesen
(Frankfurt am Main)
Vom Nutzenprinzip zur Demokratie
Der englische Philosoph Jeremy Bentham formuliert im ausgehenden 18. Jahrhundert mit dem Prinzip des "größten Glücks der größten Zahl" die Grundlage der utilitaristischen Ethik und Politik. Bei den Versuchen, eine wissenschaftliche Berechnung von Glückssummen anzustellen und die Maximierung des Glücks auf direktem Wege politisch zu verwirklichen, verstrickt sich der Utilitarismus in Schwierigkeiten, auf die Bentham mit einer Theorie radikaler Demokratie antwortet.
Donnerstag, 17. Mai 2001, 20.00
Dr. phil. Nicole Karaphyllis
(Frankfurt am Main)
Ist Technik steuerbar?
Wie entwickeln sich neue Technologien? Naturwüchsig oder gesteuert? Aufgrund von Einzelerfindungen oder aufgrund profitabler Marktkonzepte? In der Technikphilosophie sind diese Fragen ebenso umstritten wie die Fragen nach den ethischen Grundlagen einer möglichen Techniksteuerung. Wie halten wir es z.B. mit dem Problem nachwachsender Rohstoffe?
Donnerstag, 31. Mai 2001, 20.00
Dr. med. Gisela Bockenheimer-Lucius
(Frankfurt am Main)
Darf man an Embyronen forschen?
Die Möglichkeiten der modernen Medizin werden durch die Forschung an frühen menschlichen Embryonen deutlich erweitert. Heilungshoffnungen sind mit der Forschung an embryonalen Stammzellen, therapeutischem Klonen, aber auch an der Präimplantationsdiagnostik verknüpft - die durch das derzeitige deutsche Embryonenschutzgesetz verboten sind. Allerdings wird über ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz beraten. Bei der Abwägung für oder gegen eine Forschung am menschlichen Embryo muß die Frage nach dem moralischen Status des Embryos im Prinzip vorher geklärt werden.
Donnerstag, 7. Juni 2001, 20.00
Prof. Dr. jur. Michael Bothe
(Frankfurt am Main)
Humanitäre Intervention zwischen Recht und Moral
Die Versuche, die Intervention der NATO- Staaten im Kosovo völkerrechtlich zu rechtfertigen, stehen allesamt auf sehr schwachen Füßen. Deshalb muß die Debatte auch unter rechtspolitischen Gesichtspunkten geführt werden. Ist eine Entwicklung wünschenswert, die solche Interventionen rechtlich zulässig machen? Das völkerrechtliche Gewaltverbot ist eine wesentliche Fundamentalnorm der internationalen Ordnung, die nicht leichthin relativiert werden sollte. Die behauptete moralische Rechtfertigung der Aktion wirft schließlich die Frage auf, ob hier Recht und Moral auseinanderklaffen.
Dienstag, 12. Juni 2001, 20.00
Philosophie als Experiment - Das philosophische Gespräch im
Forum
Eingeladen sind alle philosophisch Interessierten mit Lust zum Reden und Zuhören. Die Idee ist, daß jede Person, die einen Vortrag halten möchte, ihr Thema den anwesenden Zuhörer(inne)n kurz vorstellt, die danach darüber abstimmen, welchen Vortrag sie hören und diskutieren möchten.
Donnerstag, 21. Juni 2001, 20.00
Dr. phil. Wolfgang R. Köhler
(Frankfurt am Main)
"Was wahr ist, ist manchmal gut, aber selten schön."
Sinnkritische Bemerkungen zu "Dem Wahren, Schönen, Guten"
Der traditionellen Philosophie der Transzendentalien des Mittelalters stehen moderne Theorien der Geltungsansprüche gegenüber, die in alltäglichen und wissenschaftlichen Diskursen erhoben werden, wenn von Wahrheit und Erkenntnis, Richtigkeit und Moral, Authentizität und Kunst die Rede ist. Eine Prüfung dieser Geltungsansprüche zeigt, daß diese auf je verschiedene Weise mit Objektivität, Intersubjektivität und Subjektivität verbunden sind.
Donnerstag, 28.Juni 2001, 20.00
Prof. Dr. phil. Barbara Merker
(Frankfurt am Main)
Scheitern die traditionellen Moralphilosophien an Problemen der modernen Medizin?
Traditionelle Moralphilosophien gehen von einem Begriff des Menschen aus, der durch die neueren medizinischen Technologien in Frage gestellt wird. Die Grenze zwischen Leben und Tod, Mensch und Nicht-Mensch verfließen. Welche Antworten könnte Moralphilosophie heute auf diese Fragen geben?
Für das erste Halbjahr 2002
wird unser Programm rechtzeitig hier veröffentlicht.
Kostenbeitrag
pro Vortrag 15 DM,
10 DM für Student(inn)en
Öffentliche Verkehrsmittel
vom Hauptbahnhof:
U 5 bis Glauburgstraße
von der Konstablerwache:
Straßenbahn, Linie 12 bis Friedberger Platz,
Bus, Linien 30 bzw. 36 bis Friedberger Platz,